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Frauenspezifische Gesundheitsvorsorge

Aufgrund aktueller medizinischer Erkenntnisse, beginnt sich eine neue, frauenspezifische Medizin durchzusetzen, die die fundamentalen Unterschiede zwischen Mann und Frau in Bezug auf Gesundheit und Behandlung bei Krankheit berücksichtigt.

Die Frauenheilkunde wandelt sich von gynäkologischer Intervention mit stark operativen Aspekten zu einer ganzheitlichen Disziplin mit einer hohen wissenschaftlichen und klinischen Dimension. In diesem Zusammenhang werden immer mehr statistische Daten zur frauenspezifischen Gesundheitsvorsorge verfügbar, welche die individuelle Expertise des Arztes unterstützen ("evidence based medicine").

Besucherinnen dieser Seite können mit folgendem, auf statistischen Daten basierendem Online-Check ihr Risiko ermitteln, an Brustkrebs zu erkranken. Eine individuelle Untersuchung und persönliche Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt kann und soll der Online-Check jedoch nicht ersetzen.

Was ist frauenspezifische Gesundheitsvorsorge?

Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber

Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber leitet die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung am AKH Wien. Prof. Huber gilt weltweit als einer der bedeutendsten Experten auf dem Gebiet der gynäkologischen Endokrinologie (Hormonforschung).

Frauenärzteverzeichnis

Wissenschafter weisen schon seit längerem darauf hin, dass der Fortschritt der Medizin Frauen und Männern nicht gleichermaßen zugute kommt.

Studien, Therapien und Diagnoseformen orientieren sich vornehmlich an der männlichen Lebenssituation und am männlichen Gesundheitsempfinden. Frauen, so zeigen viele Untersuchungen, nehmen Gesundheit anders wahr, bewältigen gesundheitliche Belastungen auf eine andere Art und Weise als Männer.

Unterschiedliche Krankheitsverläufe, die geschlechtsdifferente Krankheitswahrnehmung, Krankheitsbewältigung und Prävention sind nicht nur im Zusammenhang mit der biologischen Konstitution von Frauen zu sehen, sondern werden in erheblichem Maße durch sozioökonomische Faktoren, durch Bildungs- und Informationsstand der Frauen beeinflusst.

Frauen erkranken anders als Männer; auch bei höherer Lebenserwartung müssen spezielle Risiken gesehen und berücksichtigt werden: deutlich mehr Männer sind suchtkrank, aber rund 70 Prozent aller Medikamentenabhängigen sind Frauen.

  • Frauen sind sensibler gegenüber Störungen ihres Körpers und es werden bei ihnen signifikant häufiger psychosomatische und funktionelle Beschwerden diagnostiziert.
  • Etwa doppelt so viele Frauen wie Männer leiden an Depressionen und an rheumatoider Arthritis.
  • Häufiger und früher erkranken bzw. sterben Männer an Herzinfarkt, aber die Letalität nach Herzinfarkt bei den unter 50-jährigen Patientinnen ist höher als bei Männern.

Frauenspezifische Erkrankungen sind also kein Phänomen, das ausschließlich medizinisch definiert werden kann; gesellschaftliche Bedingungen, eine andere Psycho- und Soziogenese müssen in die medizinische Diagnose eingehen.


Jede zehnte Frau muß in ihrem Leben damit rechnen, an Brustkrebs zu erkranken. Etwa 90% bis 95% aller an Brustkrebs erkrankten Frauen, erkranken „spontan“.

Die Mehrheit aller Patientinnen mit Brustkrebs, also etwa 90% bis 95% aller erkrankten Frauen, erkranken „spontan“, ohne dass in ihrer Familie bereits häufiger Brustkrebs aufgetreten wäre oder ein einzelner Risikofaktor wirklich sicher als Auslöser gefunden werden kann.

Heute geht man daher davon aus, dass bei der Krankheitsentstehung viele verschiedene Einflüsse gemeinsam beteiligt sind. Wie dies genau geschieht, ist noch nicht bekannt. Es konnten aber eine Reihe von Faktoren aufgedeckt werden, die das persönliche Risiko erhöhen, an Brustkrebs zu erkranken (Risikofaktoren), und einer oder mehrere davon lassen sich in der Vorgeschichte der meisten Patientinnen nachweisen.

  • Das Lebensalter an sich kann als Risikofaktor angesehen werden, denn etwa ab dem 30. bis 75. Lebensjahr steigt das Erkrankungsrisiko stetig an, weil mit zunehmendem Alter Fehler in der Zellteilung bei jedem Menschen wahrscheinlicher werden.
  • Ist die Mutter oder eine Schwester an Brustkrebs erkrankt, so ist das Risiko einer Frau durchschnittlich zwei- bis dreimal höher als ohne erkrankte Verwandte. Eine Risikoerhöhung durch weiter entfernte Verwandte, etwa Tante oder Großmutter ist nicht gegeben.
  • Ist eine Frau bereits an einer Brust erkrankt, so besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auch in der anderen Brust.
  • Frauen mit früher erster Regelblutung, mit spätem Eintritt der Wechseljahre und Frauen mit später erster oder keiner Geburt erkranken häufiger als der Durchschnitt. Gutartige Brusterkrankungen sind in der Regel nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden. Eine Ausnahme bildet eine besondere Form der Mastopathie, einer häufig vorkommenden, eigentlich harmlosen Veränderung der Brustdrüse. Nur bei der Mastopathie mit Zellwucherungen untypischer Zellen (atypisch proliferierende Mastopathie), ist das Risiko erhöht.
  • Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit verbunden. Frauen mit Übergewicht erkranken nach der Menopause etwas häufiger als der Durchschnitt.
  • Die Einnahme der empfängnisverhütenden Pille und bis zu 10 Jahre danach besteht ein geringfügig erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Danach ist das Erkrankungsrisiko gleich wie bei den Frauen, die niemals die Pille genommen haben.
  • Gegen Wechseljahresbeschwerden helfen Östrogene. Werden Östrogene alleine oder in Kombination mit Gestagenen über mehr als 5 Jahre eingenommen, ist das Risiko auf knapp das eineinhalbfache erhöht. Außerdem wird das Brustgewebe durch Hormoneinnahme nach den Wechseljahren dicht, wie bei jungen Frauen, die noch reichlich eigene Hormone produzieren. Dadurch wird die Beurteilbarkeit der Brust sowohl in der Mammographie als auch bei der Sonographie erschwert.

Brustkrebs macht normalerweise weder Schmerzen noch andere typische Beschwerden, dies gilt zumindest für Frühstadien. Es gibt aber einige Anzeichen, die auf einen Krebs hindeuten können, und die Sie deshalb immer zum Arzt führen sollten, um diese Befunde weiter abklären zu lassen:

  • alle neu aufgetretene Knoten oder Verhärtungen in der Brust,
  • Einziehung der Brustwarze oder der Haut,
  • Hautveränderungen der Brustwarze oder des Warzenvorhofes,
  • Farbige Absonderungen aus der Brustwarze (besonders blutige),
  • plötzlich auftretende Rötungen einer Brust,
  • Knoten in der Achselhöhle von über 1 cm Größe.

Aber erschrecken Sie nicht, wenn sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich entdecken sollten. Das heißt noch lange nicht, dass Sie Brustkrebs haben! Wahrscheinlicher ist, dass die Veränderungen harmloser Natur sind. Zögern Sie aber den Arztbesuch nicht hinaus. Es gibt heute eine ganze Reihe von bildgebenden und wenig beeinträchtigenden Untersuchungsverfahren, sog. Minimalinvasiven Verfahren, um Veränderungen der Brust klären zu lassen.

Ein rechtzeitiges Erkennen von Brustkrebs verbessert die Erfolgsaussichten der Behandlung entscheidend.


Fruchtbarkeit und der monatliche Zyklus

In den fruchtbaren Jahren der Frau bewirken Hormone monatlich wiederkehrende zyklische Veränderungen im Körper. Ein Zyklus - er dauert im allgemeinen zwischen 26 und 32 Tage - beginnt am ersten Tag der Monatsblutung und endet am Tag vor der nächsten Blutung. Nur während der Tage um den Eisprung herum ist die Frau fruchtbar und kann schwanger werden.

Kinderwunsch

Eine Schwangerschaft kann dann entstehen, wenn befruchtungsfähige Spermien auf eine befruchtungsfähige Eizelle treffen. Im allgemeinen bildet der weibliche Körper einmal pro Monatszyklus eine reife Eizelle. Nach dem Eisprung bleibt die Eizelle für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. Spermien überleben im Körper der Frau 48 Stunden (zum Teil auch länger). Aufgrund dieser biologischen Gegebenheiten ergibt sich ein optimaler Zeitraum für den Geschlechtsverkehr zwei Tage vor dem Eisprung bis einen Tag danach.

Mentruationskalender

Die Führung eines Mentruationskalenders („Knaus-Ogino-Methode“) und Beobachtung und Aufzeichnung des eigenen Zyklus erlaubt eine grobe Planung der Menstraution und der fruchtbaren Tage. Diese Methode ist zur Empfängnisverhütung sehr unsicher, empfiehlt sich aber zur Errechnung des optimalen Empfängniszeitraums im Falle eines Kinderwunsches (natürliche Familienplanung).

Einen persönlichen Online-Menstruationskalender, mit dem Sie Ihre Tage vorherplanen und beobachten können, finden Sie als registrierter Benutzer in Ihrer mednanny „medmappe“. (Die Registrierung ist kostenlos.)

Sterilität

Nach 12 Monaten ungeschütztem Geschlechtsverkehr tritt bei Kinderwunsch-Paaren in 93% eine Schwangerschaft ein. In 7% wird eine Sterilität diagnostiziert, die verschiedene Ursachen haben kann. Die Therapie des sterilen Ehepaares hat sich in den letzten Jahrzehnten standardisiert und ist durch die reproduktiven Techniken der In-vitro-Fertilisierung und der intrazytoplasmatischen Sperma-Injektion (ICSI) entscheidend optimiert worden.

Verhütung

Gereihnt nach ihrer Verbreitung werden nach einer Studie unter Frauen zwschen 14 und 45 Jahren des Fessel-GFK Instituts 2001 folgende Verhütungsmethoden angewandt:

  • 38% Pille
  • 21% Kondome
  • 7% Aufpassen
  • 6% Spirale
  • 6% Sterilisation der Frau
  • 5% hormonhältige Spirale
  • 2% Temperaturmethode
  • 2% Dreimonatsspritze
  • 1% Chem. Barrieremethode
  • 1% Hormonimplantat
  • 1% Diaphragma
  • 1% Sterilsation des Mannes
  • 13% (derzeit) keine Verhütung

Fruchtbarkeit und der monatliche Zyklus

Der postmenopausale Lebensabschnitt ist eine Errungenschaft der soziobiologischen Evolution. Außer dem Homo sapiens gibt es unter den Säugetieren keine andere Spezies, bei der die postgenerative Phase ein Drittel der gesamten Lebenszeit ausmacht. Allerdings hat sich auch die mittlere Lebenserwartung der Frau erst in den letzten Jahrhunderten über die Altersgrenze, die das Klimakterium setzt, hinausgeschoben.

1850 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 38 Jahren und ist nach nur 150 Jahren auf das Doppelte angestiegen. Diese in der Entwicklung des Homo sapiens zweifellos neue Situation rechtfertigt die Beseitigung von Mangelerscheinungen, welche erst durch die eben erwähnte höhere Lebenserwartung entstanden sind und der Natur vorher unbekannt waren. Zusätzlich zu den evolutionären Überlegungen gibt es rein pragmatische Gründe, die die Anwendung einer Substitutionstherapie rechtfertigen: Die Substitutionstherapie induziert eine deutliche Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität und kann darüber hinaus viele endokrine und metabolische Störungen heilen. Gleichzeitig stellt sie eine Prophylaxe für zahlreiche Erkrankungen dar. Dieser nicht zu unterschätzende Tatbestand sollte in den grundsätzlichen Diskussionen berücksichtigt werden.

Auch dies ist eine junge Erkenntnis unseres Fachs: Die Sexualsteroide dienen nicht nur der Fortpflanzung, sondern tragen wesentlich zur verbesserten Gesundheit und Befindlichkeit bei. Die Geschlechtshormone sind biologische Multifunktionäre.

Lebenslange Therapie für alle Frauen?

Die Vorstellung, dass das Erlöschen der Ovarialfunktion im Klimakterium mit einer Einschränkung der endokrinen Leistung einhergeht und daher in Analogie zu anderen klassischen Drüsenunterfunktionen als Endokrinopathie gedeutet werden kann, hat die Frage nach einer lebenslangen Substitution aller Frauen aufgeworfen, die zur Zeit kontrovers diskutiert wird. Dieser Frage kann man sich von folgendem Standpunkt einfach nähern: Eine Hormonsubstitution soll dann vorgenommen werden, wenn hierdurch entweder Beschwerden beseitigt oder gesundheitliche Risiken minimiert werden können.

Wenn eine Patientin beschwerdefrei ist und weder ein osteoporotisches noch ein kardiovaskuläres Risiko aufweist, ist eine Hormontherapie nach dem derzeitigen Wissensstand nicht zwingend notwendig. Es soll keine Zwangsbeglückung mit Hormonen vorgenommen werden.

Drei Gründe sprechen für diese Überlegung:

Bei einigen Frauen ist der postmenopausale Gesamtorganismus in der Lage, Sexualsteroide - selbst nach Ausfall der ovariellen Östrogenproduktion - weiter zur Verfügung zu stellen. Postmenopausal bildet das Ovar C19-Steroide, die Androgene, die ebenso wie die Androgene der Nebenniere in der Peripherie, insbesondere im Fettgewebe der Frau in Östrogene konvertiert werden können. Der Östrogenbedarf dieser Frauen wird damit gedeckt.

Die Wirkung der Hormonzufuhr hängt von der Hormonrezeptordichte ab, die sich in unterschiedlichem Maße verringert. Der menschliche Körper hat im Rahmen der Evolution ein hochintelligentes Sicherheitssystem installiert, das unserem Bewußtsein biologische Systemausfälle mit gesundheitsschädigenden Wirkungen meldet. Bei Wohlbefinden risikofreier Patientinnen kann unter diesem Aspekt auf eine Therapie verzichtet werden.

Für eine großzügige Indikationsstellung spricht hingegen, daß fast jede Frau aus dem einen oder anderen Grund von einer Hormonsubstitution profitiert. Keiner Frau sollten daher die Segnungen einer Substitutionstherapie von ärztlicher Seite beim Fehlen von Kontraindikationen vorenthalten werden. Zukünftige gesundheitliche Risiken, die aus dem klimakteriellen Steroidhormonmangel erwachsen können, lassen sich im individuellen Fall nicht immer zweifelsfrei einschätzen. Zudem zeichnen sich neue Bereiche ab - wie z.B. die Stützung kognitiver Hirnfunktionen, die einen präventiven Ausgleich des Hormonmangels sinnvoll erscheinen lassen, für die aber eindeutige Risikokriterien noch weitgehend fehlen.

Die Antwort auf die Frage, welche Patientinnen therapiert werden sollen, lautet daher: Jene Frauen, die Beschwerden haben bzw. solche, die gesundheitsgefährdende Risiken aufweisen, die unter einem Hormonentzug akzelerieren. Dementsprechend kann man sowohl von einer therapeutischen als auch einer prophylaktischen Substitutionstherapie sprechen.

Hormongabe - Therapie oder Prophylaxe?

Die grundsätzliche Frage, ob allen Frauen in der Postmenopause eine Substitutionstherapie empfohlen werden soll oder nur jenen, die Beschwerden haben, teilt die Indikation bereits in eine prophylaktische und in eine therapeutische.

Leidet eine Patientin an den typischen, durch ein Östrogendefizit hervorgerufenen klimakterischen Symptomen, ist eine therapeutische Substitutionsbehandlung zweifellos angezeigt. Sinnvoll ist eine prophylaktische Hormongabe, wenn das zu frühe Erlöschen der ovariellen Funktion und das Auftreten anderer Risikofaktoren schwere unphysiologische Alterationen, allen voran die Osteoporose, wahrscheinlich macht.

Tritt die Menopause vor dem 40. Lebensjahr ein und weisen die klimakterischen Patientinnen ein empirisch gesichertes Östrogenmangel-Risiko auf, ist eine Hormonbehandlung selbst bei einem noch asymptomatischen Zustandsbild anzuraten. In jedem Fall sollte die Patientin über die Risiken des mit dem Klimakterium beginnenden chronischen Östrogenmangels aufgeklärt werden, um ihr eine eigenverantwortliche Entscheidung über eine prophylaktische Behandlung zu ermöglichen.

Zweifellos lassen sich therapeutische oder prophylaktische Überlegungen nicht immer scharf trennen. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass Östrogenmangel potentiell ein Risikofaktor ist. Der wichtigste empirisch gewonnene Risikofaktor, der eine Behandlung erfordert, ist das Climacterium praecox. Je früher die Steroide ausfallen, desto stärker scheinen die Mangelerscheinungen ins Gewicht zu fallen. Der Gynäkologe muß besonders sensibel bei postmenopausalen Patientinnen sein, die keine Hormone einnehmen, stark rauchen, über einen grazilen Körperbau verfügen und sich möglicherweise nur gering körperlich betätigen. Zur Abschätzung des osteoporotischen Risikos ist in einem solchen Fall eine Knochendichtemessung zu empfehlen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie von Ihrem Frauenarzt.


Die unterschiedliche Inzidenz von Osteoporose bei Mann und Frau ist seit Jahrzehnten bekannt und war einer der ersten Hinweise für geschlechtsspezifische Probleme in der Medizin.

Neu ist, dass vor allem auch das Fettcompartement von Sexualsteroiden abhängig ist und im weiblichen Körper anders kontrolliert wird als im männlichen. Die Area gluteo-femoralis wird durch Progesteron und durch Östradiol vergrößert; die Lipoproteinlipase ermöglicht unter der Wirkung der Sexualsteroide eine verstärkte Einlagerung von Triglyceriden in die Adipozyten. Dadurch haben Frauen in dieser Körperregion größere Figurprobleme als Männer.

Die Männer-dominierte Medizin hat dies in der Vergangenheit ignoriert und Gewichtsprobleme beim weiblichen Geschlecht hauptsächlich auf diätetische Fehler und auf Unbeherrschtheit beim Essen zurückgeführt. Die Kenntnis, dass der weibliche Körper tatsächlich im Fettmetabolismus anders konzipiert ist als der männliche, wird diese chauvinistische Sicht der Dinge etwas ändern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die männlichen Hormone die beta-3-adrenergen Rezeptoren in der Area abdominalis upregulieren, wodurch eine verbesserte Mobilisierung des abdominalen Fettes möglich ist. Naturgemäß sind die männlichen Hormone zwischen Frau und Mann unterschiedlich verteilt, so dass man auch in dieser Körperregion bei Gewichtsproblemen geschlechtsspezifisch diagnostizieren und therapeutisieren müßte. Auch das kürzlich beschriebene "uncoupling Protein 2" scheint von der geschlechtsspezifischen Hormonsituation in unterschiedlicher Weise beeinflußt zu werden.

Weiterführende Informationen erhalten Sie von Ihrem Frauenarzt.


Im Unterschied zum männlichen Körper weist der weibliche eine starke Fluktuation der Sexualsteroide auf, die spiegelbildlich auch eine kurzfristige Änderung von Zytokinen bewirkt. Steroide haben per se eine immunsuppressive Wirkung, - von Ausnahmen abgesehen - die durch einen Abfall der Geschlechtshormone aufgehoben werden kann. Dadurch kommt es zum Ansteigen von Zytokinen.

Die Arthropathia climacterica wird oft mit Erkrankungen des rheumatoiden Formenkreises verwechselt, was zu völlig unnötigen Untersuchungen, aber auch zu belastenden antirheumatischen Therapien führt. Eine lokale Östrogenzufuhr würde bei vielen Patientinnen das Problem der Gelenksschmerzen lösen. Auch transdermal verabreichtes Östrogen unterdrückt Interleukin-6 und bewirkt damit eine Beseitigung der Östrogendefizit-abhängigen Arthropathie.

Aber auch die Inzidenz rheumatoider Erkrankungen ist geschlechtsspezifisch, sie kommen beim weiblichen Geschlecht wesentlich häufiger vor als beim Mann. Ein Phänomen, das in zunehmendem Maße auch bei der Diagnostik und der Therapie des rheumatoiden Formenkreises Berücksichtigung finden muß. Gleiches gilt auch für Autoaggressionskrankheiten wie Morbus Hashimoto, Lupus erythematodes (neuen von zehn Erkrankten sind Frauen) und Multiple Sklerose.

Weiterführende Informationen erhalten Sie von Ihrem Frauenarzt.


Als Anorexia nervosa (AN) bezeichnet man eine schwere Krankheit, gekennzeichnet durch eine Verweigerung ausreichender Nahrungsaufnahme. Dies führt zu einem bedrohlichen Zustand von Unterernährung.

Anorexia nervosa ist, wenn die PatientInnen einmal bis zu einer medizinischen Einrichtung gelangt sind, eine „ins Auge springende“ Krankheit.

Klinische Merkmale der Anorexia nervosa

  1. Untergewicht
  2. fühlt sich nicht krank
  3. fühlt sich zu dick

AN ist häufig, 95% aller AN-Patientinnen sind Frauen, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr. Die Letalität wird liegt im Bereich zwischen 5 und 18%. Die Prognose bei Spontanverläufen ist schlecht. Neben der hohen Letalität chronifiziert die Anorexie bei etwa 40%, bei 20-30% kommt es zu einer „Spontanheilung“ bezogen auf den Gewichtsverlust, schwere Störungen im psychischen und sozialen Bereich bleiben jedoch bestehen.

In den letzten Jahrzehnten wurde eine stärkere Betroffenheit niedererer sozialer Schichten und des ländlichen Raumes beobachtet.

Therapie

Nach Stellung der Diagnose wird den Patientinnen und deren Eltern die unbedingte Notwendigkeit einer Behandlung erläutert. Dies kann schwierig sein, da sich die Patientinnen subjektiv gesund fühlen. Sowohl den Patientinnen als auch den Angehörigen muß der Ernst der Krankheit und das Konzept der Behandlung dargestellt werden.

Spezialisierte, pädiatrische Behandlungseinrichtungen in Österreich

  • die Kinderinterne Abteilung mit Psychosomatik im Wilhelminenspital (Vorstand: Prim. Dr. H. Zimprich)
  • die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Linz (Vorstand: Prim. Dr. W. Gerstl)
  • die psychotherapeutische Einrichtung der Kinderklinik Salzburg (Leiter: OA. Dr. L. Thun-Hohenstein, Dr. L. Bock)
  • die psychotherapeutische Abteilung der Univ.-Kinderklinik Innsbruck (Leiter: ao.UP. Dr. B. Mangold)
  • der kinder- und jugendpsychiatrische Schwerpunkt der Kinderabteilung Villach (OA. Dr. K.Kaltenbrunner)

Weiterführende Informationen erhalten Sie von Ihrem Frauenarzt.


Die Harninkontinenz zählt zu den größten Tabuthemen unserer Zeit. Selbst alterfahrene Gynäkologen wundern sich immer wieder, warum moderne, aufgeklärte und durchaus gut informierte Frauen unter ausgeprägter, hochgradiger Inkontinenz leiden, ohne diese behandeln zu lassen.

Frauen in hoher gesellschaftlicher Stellung wollen nicht einmal ihren persönlichen Frauenarzt über ihr Leiden informieren. Das ist erschütternd genug. Noch erschütternder freilich ist, daß viele Patientinnen meinen, der unwillkürliche Urinabgang sei ab einem gewissen Alter „normal“ und er „gehöre ganz einfach dazu“. Anstatt die Krankheit zu beseitigen, schränken diese Frauen sehr oft ihr Leben ein. Um peinlichen Situationen zu entgehen, verkürzen sie sportliche soziale Kontakte. Sie kapseln sich ab und ziehen sich in die innere Emigration zurück. Diese Frauen vereinsamen immer mehr, wodurch die Harninkontinenz, neben der medizinischen Problematik, auch noch eine soziale Dimension erhält.

Dabei ist dieses Leiden beherrschbar:

Kann eine exakte Diagnose erstellt werden, was meist der Fall ist, gibt es für verschiedene Formen unterschiedliche, aber sehr effiziente Therapien. Neben der Belastungs- oder Stressinkontinenz gibt es auch noch die „Drang- oder Urgeinkontinenz“. Kriterium dieser Leidensform ist nicht die durch eine Erschütterung ausgelöste Belastung, deren Symptom ist vielmehr der „imperative Harndrang“. Das ist ein ganz spontaner, nicht mehr unterdrückbarer Drang im Blasenbereich, der eine akute und unmittelbare Entleerung notwendig macht. Oft ist dabei der Weg zur Toilette zu weit - der Urin ist schon vorher abgegangen. Diese Form unterscheidet sich grundsätzlich von der Stressinkontinenz. Die Art ihres Auftretens ist durch eine nervöse Komponente bestimmt.

Während der streßbedingte Harnabgang auf anatomischen Veränderungen als Folge einer Belastung und durch Hormonstörungen beruht, wird die Dranginkontinenz durch nervöse Entgleisungen oder durch chronische Entzündungen hervorgerufen. Im Extremfall können beide Formen des Harnverlustes ineinander übergehen. Wichtig ist jedenfalls eine klare Diagnose. Es muß daher zuerst die Krankengeschichte genau erhoben und die Patientin sorgfältig untersucht werden. Dann sollte unbedingt eine urodynamische Messung erfolgen. Das ist ein spezielles Untersuchungsverfahren, bei dem über kleine Meßkatheter die Druckverhältnisse in Blase, Harnröhre und Darm gemessen und zueinander in Relation gesetzt werden. Die Auswertung dieses Protokolls erlaubt genaue Aufschlüsse über die Form der Kontinenz.

Diese Daten sind entscheidend für die individuelle Behandlung. Ohne urodynamische Messungen dürfte heuzutage eine Operation gar nicht mehr erfolgen. Und in vielen Fällen verhindert diese Untersuchung überhaupt einen unnötigen operativen Eingriff.

Weiterführende Informationen erhalten Sie von Ihrem Frauenarzt.