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Bluthochdruck - Hypertonie

Rund 1,5 Millionen Österreicher haben hohen Blutdruck (Hypertonie). 60% der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung, weil Bluthochdruck zunächst oft keine Beschwerden verursacht. Ein ständiger hoher Blutdruck hinterlässt jedoch schwerwiegende, dauerhafte Schäden an Herz und Gefäßen.

Prof. Magometschnigg zeigt, auch Laien Bluthochdruck frühzeitig erkennen. Der Bluthochdruck kann mit Hilfe von Medikamenten und gesunder Lebensart normalisiert werden, so lassen sich Spätschäden meist erfolgreich vermieden.

Werden Sie »Blutdruckdetektive«, überprüfen Sie immer wieder Ihren eigenen Blutdruck und messen Sie auch im Familien-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis. Nachfolgende Informationen, ein Online-Check und eine kostenloses elektronisches Blutdrucktagebuch helfen Ihnen dabei.

Blutdruck-Quickcheck mednanny Hypertonie-Verzeichnis

Univ. Prof. Dr. D. Magometschnigg

Institut für Hypertoniker

Wissenschaftlicher Mentor des Schwerpunkts Blutdruck der Gesundheitsplattform mednanny.


Der Blutdruck ist nicht konstant, sondern eine Druckwelle.

Durch das Zusammenziehen des Herzes wird Blut in die Adern gepumpt, der Druck steigt an. Während der darauffolgenden Pause, wenn die Herzhöhle neu gefüllt wird, sinkt der Druck der Blutdruckwelle.

Der systolische Blutdruck = Höchster Wert der Blutdruckwelle.

Der diastolische Blutdruck = Niedrigster Wert der Blutdruckwelle.

Über längere Zeiträume ändern sich die Blutdruckwerte ständig. Jeder kann an sich beobachten, dass die Blutdrücke, sich von Messwert zu Messwert unterscheiden. Wer mehrmals hintereinander misst, findet bei nahezu jeder Messung andere Werte. Die Blutdruckschwankungen, die in Ruhe bestehen, werden durch Stress, durch körperliche Belastung und vieles andere auch (wie Meereswellen durch ein Unwetter) verstärkt.

Ein Messwertepaar gibt die Höhe eines Wellenkammes und Wellentals an. Da sich die Blutdruckwellen aber ständig nach oben und dann wieder nach unten ändern, sind zuverlässige Aussagen erst möglich, wenn man mehrere Werte, noch besser viele Werte kennt.

Wir empfehlen zumindest 30 Werte zu messen, um die durchschnittliche Höhe des Blutdruckes einschätzen zu können.

Normal sind Blutdrücke, wenn höchstens 7 von 30 Messwerten gleich oder höher als 135/85 mmHg sind. Normal ist, dass der Wellenkamm (systolischer oder oberer Wert) zwischen 100-150 mmHg schwankt und das Wellental (diastolischer oder unterer Wert) zwischen 60-95 mmHg.

Wenn nur ein Messwert bekannt ist und dieser deutlich außerhalb der normalen Schwankungsbreite liegt (über 150 und/oder über 95 mmHg), z.B. 180/110 mmHg, ist die Diagnose Hypertonie auch mit einem Wert sehr wahrscheinlich. Eine Aussage über den Bereich, in dem die Drücke schwanken, wird erst möglich, wenn zumindest 30 Messdaten bekannt sind.

Detaillierte Informationen über Bluthochdruck erhalten Sie bei Ihrem Arzt.


Verteidigen Sie Ihre Lebensqualität bis ins hohe Alter!

Blutgefäße Wer sein Blut ständig mit Überdruck durch seine Arterien pumpt, muss damit rechnen, dass diese Gefäße vor der Zeit Schaden nehmen und da oder dort verstopft werden oder platzen.

Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Sehbehinderung oder geistiger Verfall – all das sind Folgen von Bluthochdruck, die man verhindern kann. Bei normalen oder niedrigen Blutdrücken bleiben die Gefäße elastisch und durchgängig. Je niedriger die Drücke, desto vitaler im Alter.

Auf längere Sicht werden hierdurch vor allem:

  • Gehirn (Schlaganfall)
  • Niere (Nierenversagen)
  • Herz (Herzerkrankung)
  • Augen (Erblindung) geschädigt

In manchen Fällen kommt es auch zu einer krankhaften Vergrößerung der linken Herzhälfte (Hypertrophie), da diese ständig gegen den hohen Druck im Körperkreislauf anpumpen muss.

Wird erhöhter Blutdruck nicht behandelt, steigt das Risiko für Folgeschäden. Durch eine Normalisierung des Blutdrucks können diese jedoch meist vermieden werden.


Meistens ist die Ursache von Bluthochdruck unklar, man spricht in diesem Zusammenhang von essentieller oder primärer Hypertonie.

Nur bei jedem zehnten Patienten kann die Ursache des Bluthochdrucks auf bestimmte Erkrankungen im Körper zurückgeführt werden, z.B. auf ein chronisches Nierenleiden.

Ist die Ursache der Hypertonie bekannt, spricht man von sekundärer Hypertonie.

Bestimmte Medikamente können sich ebenfalls erhöhend auf den Blutdruck auswirken, z.B. Kontrazeptiva (die "Pille"), Appetitzügler oder gewisse Rheumamittel.

Statistisch gesehen, begünstigen folgende Risikofaktoren die Entstehung von Bluthochdruck, rsp. erhöhen seine Gefährlichkeit:

  • Familiäre Neigung zu erhöhtem Blutdruck
  • Übergewicht
  • Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 1 und Typ 2)
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Starker Alkoholgenuss
  • Bewegungsmangel
  • Stress

Grundsätzlich sollte jeder Erwachsene einmal jährlich seinen Blutdruck kontrollieren. Dies kann beim Hausarzt oder in der Apotheke erfolgen. Aussagekräftiger sind jedoch regelmäßige (Selbst-)Messungen über einen längeren Zeitraum hinweg, weil man erst so einen vorhandenen Trend feststellen kann.

Zur Selbstmessung verwenden Sie am besten handelsübliche Blutdruckmessgeräte. Diese Geräte, die meist am Oberarm oder Handgelenk messen, zeigen die gemessenen Werte automatisch an.

Faktoren können den Blutdruck beeinflussen (z.B. Tageszeit, körperliche oder geistige Anstrengungen, u.a.m.).

Regeln zur Ruheblutdruckmessung


Beim Arzt oder in der Apotheke sind folgende Regeln zur Ruheblutdruckmessung empfohlen: Die Messung sollte nach 5-minütiger Ruhe in einem stillen Raum erfolgen, um falsche Messergebnisse (z.B. durch Nervosität) zu vermeiden.

Führen Sie ein Blutdruckprotokoll Ihrer Messungen, am besten mit einer App.

Die Manschette des Messgeräts sollte auf Herzhöhe sein. Bei nicht automatischen Geräten sollte die Luft langsam abgelassen werden. Lassen Sie sich zu Hause von einem einzelnen hohen Wert nicht aus der Ruhe bringen. Bevor Sie mit dem Blutdruck-tagebuch beginnen, können Sie mit einem Online Quick-Check sofort Ihr persönliches Bluthochdruck-Risiko prüfen.


Die österreichische Normalkost ist ungesund. Ihre Salz- und Kalorienmengen führen bei einem Drittel der Menschen zu Bluthochdruck, Übergewicht und/oder Stoffwechselstörungen. Hypertoniker profitieren, wenn sie weniger Gesalzenes (Brot, Wurst, Käse) essen. Übergewichtige Personen profitieren zusätzlich, wenn sie abnehmen. Ein Frühstück mit gesalzenem Schinken, Käse und Gebäck kann auch durch ein diszipliniert gewähltes Mittag- oder Abendessen nicht ausgeglichen werden.

Fühlen Sie sich vor oder nach der Mittagspause frischer? Wer keinen Unterschied feststellen kann oder sich vor dem Essen besser gefühlt hat, hat seine Pausen falsch genützt. Versuchen Sie zumindest eine Woche lang folgende Pauseneinteilung:

  • Ein Drittel für Entspannung
  • Ein Drittel für ein gemütlich verzehrtes kleines Mahl.
  • Ein Drittel für einen Spaziergang. Überprüfen Sie den Erfolg am Nachmittag.

Tipps, um dem Salz auszuweichen:

  • keine Fertigprodukte (Suppen, Saucen, etc.)
  • keine Wurstwaren, kein Käse
  • kein Salz für Beilagen (Nudel, Kartoffel, Reis, Gemüse) oder Salate
  • niemals die Speisenfolge mit Gesalzenem beginnen
  • Salz (wenn überhaupt) nur zum Würzen des Hauptgerichtes verwenden.

Kaffee und Tee

Kaffee- bzw. Tee machen geistig reger und steigern den Blutfluss. Bei den meisten Menschen steigt der Blutdruck nach Kaffee- oder Teegenuss nur unwesentlich. Gelegentlich aber erhöht Coffein den Blutdruck unverhältnismäßig. Hypertoniker, die gerne Kaffee oder Tee trinken, sollten die Verträglichkeit selbst überprüfen: fünf Mal vor dem Kaffee oder Tee trinken und fünf Mal eine Stunde nach dem Kaffee oder Tee trinken Blutdruck messen. Sind die Werte um weniger als 20 mmHg angestiegen, ist der Einfluss von Kaffee oder Tee nicht beachtenswert.

Alkohol

Ein bis zwei Getränke pro Tag erweitern die Gefäße, senken den Blutdruck und verlängern das Leben. Wenn keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten, können kleine Mengen Alkohol eine positive Wirkung haben. Ab mehr als drei Getränken täglich oder bei einer erhöhten Empfindlichkeit fördert Alkohol die Entwicklung des Bluthochdruckes. In Österreich dürften 10% des Bluthochdrucks alkoholbedingt sein.

Die persönliche Blutdruckantwort auf Alkohol (innerhalb von Stunden und am nächsten Tag) sollte mit der Selbstmessung überprüft werden. Herzrhythmusstörungen: Der Genuss von Wein, Bier oder Schnaps kann Herzrhythmusstörungen auslösen.

Nikotin

Rauchen schadet den Gefäßen. Gefäße von Hypertonikern werden stärker und rascher geschädigt. Frauen, die zur Empfängnisverhütung die Pille einnehmen und rauchen, haben außerdem ein erhöhtes Thromboserisiko.

Rauchen und Bluthochdruck sind global die häufigsten Todesursachen! Daher sollten sich Hypertoniker stets für das Nichtrauchen entscheiden.


Bewegung

Zur Bluthochdruck-Behandlung wird auch regelmäßiges Ausdauertraining empfohlen. Bei mittlerer Trainingsintensität sinken die Blutdrücke um 3 bis 8 mmHg. Das Ausmaß der Druckminderung beträgt etwa 2/3 des Effekts einer mittleren Dosis eines blutdrucksenkenden Medikamentes.

Die Trainingsdauer sollte 30 bis 45 Minuten betragen, die Intensität sollte mittelschwer sein, Trainingsfrequenz: zumindest drei Mal pro Woche. Mittlere Intensität bedeutet: während des Trainings ist die Atmung vertieft, aber ein Gespräch ist noch gut möglich. Der Puls liegt zwischen 110 und 130 Schlägen pro Minute. Nach 10 bis 15 Minuten beginnt man zu schwitzen.

Bei jeder sportlichen Aktivität steigt der Blutdruck. Das Ausmaß des Druckanstieges hängt von der Sportart und dem Ausmaß der körperlichen Anstrengung ab. Sportarten, die mit einem starken Druckanstieg einhergehen, sind für Menschen mit Bluthochdruck schlechter als Ausdauersportarten.

  • Geeignete Sportarten: Wandern, Rad fahren, Laufen, Tennis, Golf
  • Ungünstige Sportarten: Stemmen, Bodybuilding

Stress

Stress erhöht den Blutdruck. Wenn der durch Stress überhöhte Blutdruck mit dem Ruheblutdruck verwechselt wird, wird die Blutdruckhöhe überschätzt. Bei Hypertonikern steigt der Blutdruck auf höhere Werte, denn sie starten von einem erhöhten Druckniveau und ihr Druckanstieg ist größer.

Eine einfache Stressbekämpfung könnte wie folgt versucht werden: Zuerst die Stressoren analysieren: Man schreibt eine Liste seiner Stressauslöser. Dann wird jeder Auslöser mit einer Note zwischen 1 und 5 bewertet (1 - kaum der Rede wert - 3: mäßig empfundener Stress - 5: außerordentlich großer Stress).

Wenn man alle persönlichen Stress-Situationen aufgelistet und bewertet hat, gilt es, die direkten persönlichen Folgen jedes einzelnen Stressors zu bewerten, denn Stress entsteht zu 80% im eigenen Kopf!

Überlegungen zum Stressor: Was habe ich wirklich geleistet? Erwarte ich zu viel von mir? Was glaube ich, dass meine Umwelt von mir erwartet und was erwartet meine Umwelt wirklich von mir? Was kann ich ändern? Was will ich ändern?

Kurzentspannung: Dauer 5 Sekunden

Eine einfache Übung, die jederzeit durchgeführt werden kann:

  1. Tief einatmen und dabei die Schultern hochziehen.
  2. Den Atem kurz anhalten.
  3. Langsam fließend und vollständig ausatmen und dabei die Schultern ganz schwer senken

Die Übung wird mit der Formel Ich bin ganz ruhig und einigen langsam fließenden Atemzügen abgerundet.


Grundsätzlich sollte jeder Erwachsene einmal jährlich seinen Blutdruck kontrollieren lassen. Dies kann beim Hausarzt oder in der Apotheke erfolgen.

Wenn Sie aufgrund Ihrer eigenen Beobachtungen und Messungen erhöhte Blutdrücke feststellen, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, auch dann, wenn Sie (noch) keine Beschwerden fühlen.

Beschwerden treten oft erst ein, wenn bereits Organe geschädigt sind. Warnhinweise für Organschäden sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Brustschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Sehstörung

Eine Liste spezialisierter Hypertonie-Ärzte finden Sie unter dem Punkt Ärztesuche.


Wenn festgestellt wurde, dass Sie einen erhöhten Blutdruck haben, muss Ihr Blutdruck wieder auf einen Normalwert gebracht werden.

Die Behandlung erfolgt meist durch:

  • Änderung der Lebensgewohnheiten
  • Einnahme von Medikamenten
  • Selbstkontrolle

Den Erfolg der Behandlung können Sie selbst durch laufende Protokollierung Ihres Blutdrucks verfolgen, am besten mit einer Blutdruck-App.

App Blutdruck-SMS

Mit Ihrem Smartphone dokumentieren Sie Ihre Blutdruck Selbstmessung als Liste und als Graphik. Weil Blutdrücke stark schwanken und daher ihre Aussagekraft unzuverlässig ist liefert der Mittelwert Orientierungshilfe.


Die Änderung der Lebensgewohnheiten kann z.B. folgende Punkte umfassen:

  • Gewichtsreduktion
  • Salz- und fettärmer essen
  • Wenig(er) Alkohol trinken
  • Mehr bewegen
  • Nicht rauchen
  • Regelmäßige Entspannungsphasen einlegen

Kann Ihr Blutdruck durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten allein nicht gesenkt werden, wird Ihr Arzt Ihnen Medikamente verschreiben, die bei regelmäßiger Einnahme den Blutdruck normalisieren.