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Diabetes mellitus - die Zuckerkrankheit

Zurzeit gibt es in Österreich 600.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. Im Jahr 2030 werden es in Österreich, vorsichtig geschätzt, mehr als 800.000 sein

Diabetes gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen und kann schwerwiegende Folgekrankheiten nach sich ziehen. Der Früherkennung und Vorsorge kommen daher sehr große Bedeutung zu.

Im Bereich Was ist Diabetes finden Sie eine kompakte Zusammenstellung von Informationen und weiterführende Hinweise zur Krankheit Diabetes, zu Diabetes Früherkennung und Vorsorge sowie zur Behandlung von Diabetes

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Diabetes-Quickcheck mednanny Diabetes-Verzeichnis

Diabetes mellitus - auch Zuckerkrankheit genannt - ist eine Volkskrankheit. Etwa 6-8% der österreichischen Gesamtbevölkerung leiden daran (Tendenz stark steigend).

Die Dunkelziffer der nicht erkannten Diabetiker wird auf rund 200.000 Personen in Österreich geschätzt.

Symptomatik

Unbehandelt führt Diabetes mellitus zu einer chronischen Erhöhung der Blutzuckerkonzentration. Das Ausmaß der klinischen Symptome und die Entwicklung von Komplikationen hängt einerseits von der Schwere und der Dauer des erhöhten Blutzuckers ab.

Unbehandelt oder bei nicht optimaler Lebensführung treten häufig Störungen und Komplikationen auf, wie z.B. Fettstoffwechselstörungen, hoher Blutdruck, Gefäßveränderungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung oder Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Durch sorgfältige, frühzeitige Therapie und aktiver Mitarbeit des Patienten können diese Komplikationen in den meisten Fällen vermieden werden.

Ursache

Bei Diabetikern besteht ein Missverhältnis zwischen der Produktion des Hormons Insulin und dem Bedarf.

Dies kann daraus resultieren, dass das in den Betazellen der Langerhansschen Inseln der Bauschpeicheldrüse (lateinisch: Pankreas) produzierte Insulin vom Diabetiker

  • in zu geringem Ausmaß
  • oder überhaupt nicht mehr produziert wird
  • oder das vorhandene Insulin ist aus gewissen Gründen zu wenig wirksam (relativer Insulinmangel).

Diabetes mellitus hat als Krankheit keine einheitliche Ursache und stellt eher einen Symptomkomplex dar.

Detailierte Informationen über Diabetes erhalten Sie bei Ihrem Arzt.


Man unterscheidet grob zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Der wesentliche Unterschied ist, dass bei Typ-1-Diabetes ein absoluter Insulinmangel besteht, der umgehend ersetzt werden muss. Beim Typ-2-Diabetes ist genügend Insulin vorhanden, aber es funktioniert nicht optimal.

Diabetes mellitus Typ I

  • kindlicher Diabetes (hier liegt der Beginn der Erkrankung vor dem 14. Lebensjahr)
  • jugendlicher Diabetes (hier liegt der Beginn der Erkrankung zwischen dem 15.-20. Lebensjahr)
  • insulinpflichtiger Diabetes des höheren Lebensalters.

Bei Personen dieser Gruppe wird meist sehr wenig oder überhaupt kein Insulin produziert - es besteht ein absoluter Insulinmangel.

Diese Patienten sind bei Beginn der Erkrankung fast immer schlank und brauchen sofort bei Ausbruch der Erkrankung das lebensrettende Insulin.

Diabetes mellitus Typ II (früher Altersdiabetes genannt)

Dieser trat früher vorwiegend im höheren Erwachsenenalter auf. Der Patient ist meist übergewichtig, hat oft niedrige, normal hohe oder hohe Insulinspiegel, die aber für die Versorgung der größeren Körpermasse nicht mehr ausreichen - es besteht ein relativer Insulinmangel.

Etwa 90% der Diabetiker gehören diesem Typ an.

Hier muss zunächst das Übergewicht durch entsprechende Diät und geziehlte Bewegung reduziert werden. Reicht dies als Therapieform nicht aus, können Medikamente hilfreich sein.

Gelingt die Anpassung der Werte nicht, so kann sich auch bei dieser Diabetesform durch Erschöpfung der Betazellen im Laufe der Jahre ein absoluter Insulinmangel entwickeln, so dass auch hier Insulin verabreicht werden muss.

Bei Beginn der Erkrankung besteht noch keine absolute Insulinbedürftigkeit. Sehr häufig bestehen bei diesen Patienten gleichzeitig hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen. Neben der Gruppe der vorwiegend älteren, übergewichtigen Personen erkranken zunehmend jüngere Erwachsene und sogar schon Jugendliche.

Schwangerschaftsdiabetes

Diese Gruppe umfasst Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, die in der Schwangerschaft auftreten. Diese zu erfassen ist eminent wichtig, da auch ein leichter Diabetes in der Schwangerschaft für das Kind und die Mutter gefährlich werden kann und daher unbedingt behandelt werden muss.

Nach der Entbindung kann sich die Stoffwechselsituation völlig normalisieren und kein Arzt kann mehr einen Diabetes mellitus diagnostizieren.

Für die Frau ist aber das Wissen um eine Kohlehydratstörung sehr wichtig, da bei der nächsten Schwangerschaft besonders darauf geachtet werden muss. Außerdem sollen solche Patientinnen ganz besonders Übergewicht vermeiden und nach der Schwangerschaft in regelmäßiger ärztlicher Kontrolle bleiben. Denn bei einem Teil dieser Patientinnen kann sich in den folgenden Jahren ein Diabetes mellitus entwickeln.

Andere Diabetesformen

Neben den genannten Diabetes Formen gibt es noch andere Formen von Diabetes, die bei bestimmten Erkrankungen oder nach Gabe bestimmter Medikamente oder Hormone (z.B. Cortison) auftreten und Diabetesformen, die auftreten, wenn die Bauchspeicheldrüse entweder durch chronische Entzündung (Pankreatitis) zerstört wurde oder aus irgendwelchen Gründen operativ entfernt werden musste.


10% aller Diabetiker sind Typ I Diabetiker, die durch ihre akuten Beschwerden, wie z.B. Durst, Harnflut, Gewichtsabnahme sehr rasch erkannt und behandelt werden. 90% aller Diabetiker sind dem Typ II Diabetes zuzuordnen. Diese Erkrankung ist deswegen so gefährlich, weil sie oft von den Betroffenen aber auch von Ärzten zu spät erkannt wird. In dieser Zeit kann der Diabetes mellitus, der oft überhaupt keine Beschwerden macht, fortschreiten und Gefäßkomplikationen verursachen.

Oft wird die Erkrankung in den ersten Jahren zu unrecht verharmlost. Daher ist die Früherkennung so wichtig.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

  • Alle Menschen über 45 Jahre
  • Jüngere Menschen, die folgende Risikofaktoren aufweisen:
    • Übergewicht
    • Diabetes in der Verwandtschaft
    • Frauen, die ein Kind über 4kg Geburtsgewicht zur Welt gebracht haben
    • Erhöhter Blutdruck (über 140/90)
    • Erhöhte Blutfette
    • Wenn vorausgegangene Blutzuckertests ein fragliches Resultat erbracht haben

Drei mögliche Wege zur Sicherung der Diagnose bei Verdacht auf Diabetes

Um die Diagnose Diabetes zu sichern muss die Laborbestimmung (hier wird Plasmaglucose bestimmt) durchgeführt werden.

1. Möglichkeit

Nüchtern (8 Stunden ohne Kalorienzufuhr) wird die Nüchternplasmaglucose bestimmt. Grenzwert gleich oder über 126 mg/dl.

2. Möglichkeit

Oraler Glucosetoleranztest (gGTT): 2 Stunden nach einer Belastung mit 75g Glucose in 250 ml Wasser aufgelöst wird ein 2-Stundenwert der Plasmaglucose bestimmt. Grenzwert gleich oder über 200 mg/dl = Diabetes Im Bereich von 140-200 mg/dl spricht man von gestörter Glucosetoleranz.

3. Möglichkeit

Hat der Patient schon Beschwerden (z.B. Durst, Harnflut, unerklärbare Gewichtsabnahme) genügt ein Laborwert gleich oder über 200 mg/dl Plasmaglucose.

Der postmenopausale Lebensabschnitt ist eine Errungenschaft der soziobiologischen Evolution. Außer dem Homo sapiens gibt es unter den Säugetieren keine andere Spezies, bei der die postgenerative Phase ein Drittel der gesamten Lebenszeit ausmacht. Allerdings hat sich auch die mittlere Lebenserwartung der Frau erst in den letzten Jahrhunderten über die Altersgrenze, die das Klimakterium setzt, hinausgeschoben.


Diabetes und hoher Blutdruck sind klassische Risikofaktoren für die Ausbildung von Gefäßkomplikationen.

Oft liegt bereits hoher Blutdruck vor dem Ausbruch von Diabetes mellitus vor. Daher sollte den Blutdruckwerten höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Messungen können mit einem digitalen automatischen Blutdruckmessgerät am Oberarm im Sitzen oder nach einer kurzen Ruhepause vorgenommen werden. Beim Erwachsenen liegt nach WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein Bluthochdruck dann vor, wenn folgende Meßwerte zutreffen:

  • systolischer Blutdruck > 140 mmHg und/oder
  • diastolischer Blutdruck > 90 mmHg

Hochnormaler Blutdruck

Diese Gruppe hat ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines definitiven Hochdrucks und muss fortlaufend kontrolliert werden. Die Messwerte bewegen sich in folgenden Bereichen.

  • systolisch 130-140 mmHg
  • diastolisch 85-90 mmHg

Normaler Blutdruck

Die Messwerte bewegen sich in folgenden Bereichen.

  • systolisch < 130 mmHg
  • diastolisch < 85 mmHg
Blutfette

Das Risiko für eine coronare Herzkrankheit steigt ab dem (Serum-) Gesamtcholesterin von >= 190 mg/dl deutlich an.

Diabetiker und Nichtdiabetiker sollten folgende Zielwerte erreichen:

  • Gesamtcholesterin < 190 mg/dl
  • HdL-Cholesterin < 40 mg/dl
  • LDL-Cholesterin
    • < 70 mg/dl bei Diabetes oder anderem Hochrisiko
    • < 100 bei mittlerem Risiko
    • < 130 bei niedrigem Risiko
  • Triglyceride < 150 mg/dl

Übergewicht

Um neben dem Augenschein den Ernährungszustand eines Menschen beurteilen zu können, kann man sich verschiedener Berechnungs- und Bestimmungsmethoden bedienen.

Eine davon ist der Körpermassenindex (body mass index = BMI)

BMI = kg/(KL)2 (KL = Körperlänge)

Von Übergewicht spricht man ab einem BMI von 25-30, von Fettsucht ab einem BMI von >30, wobei eine Fettverteilung vorwiegend im Bauchbereich ungünstiger ist, als an den Hüften. Diabetes mellitus Typ II kommt bei Übergewicht gehäuft vor. Zusätzlich treten vermehrt hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen und hohe Harnsäure auf mit der Gefahr der Entwicklung von

Gefäßveränderungen (Artherosklerose), Harnschwäche, Atemprobleme, Veränderungen am Stützapparat und damit verbunden Gefahren bei einer notwendigen Operation. Ein Abbau des Übergewichts muss angestrebt werden und bedeutet lebenslange Aufmerksamkeit im Ernährungs- und Bewegungsverhalten.


Blutzuckertesten zur Risikoabschätzung

Wann? Mit welchen Methoden?

Zu irgendeinem Zeitpunkt des Tages wird aus kapillarem Vollblut (Fingerstich) mittels eines Blutzuckermessgerätes der Blutzucker bestimmt und die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Diabetes mellitus erhoben.

Das Ergebnis kann in 4 Risikogruppen eingeteilt werden:

Gruppe A: Blutzucker <= 95 mg/dl - sehr geringes Diabetesrisiko

Gruppe B: Blutzucker zw. 96-139 mg/dl - geringes Diabetesrisiko

Gruppe C: Blutzucker zw. 140-199 mg/dl - mäßiges Diabetesrisiko

Gruppe D: Blutzucker >= 200 mg/dl - großes Diabetesrisiko

Mit derselben Methode wäre ein Nüchternblutzuckerwert gleich oder über 110 mg/dl nach 8 Stunden ohne Kalorienzufuhr ebenso hoch verdächtig.

Bereits bei geringem Diabetesrisiko sollte das Ergebnis von einem Arzt überprüft werden.

Blutzucker selbst messen

Mit einem modernen Blutzuckermeßgerät können Sie schon mit einem winzigen Tropfen Blut die Zuckerkonzentration im Blut messen. Es bestehen aber auch bereits neue Optionen bei denen Sie mit einem Sensor am Oberarm und einem Lesegerät den Blutzucker, ohne jedesmal zu stechen selbst messen können.

Blutzucker messen lassen

Ihr Arzt misst Ihren Blutzucker z.B. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung


Ernährung - Life Style

Besteht Risiko an Diabetes zu erkranken oder liegt bereits eine Vorstufe eines Diabetes vor (gestörte Glucosetoleranz: Plasmaglucose von oGTT nach 2 Stunden zwischen 140-200 mg/dl) so gibt es durchaus Möglichkeiten, den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zu verzögern.

1. Ernährung

Mit der Ernährung muss das Normalgewicht erhalten oder angestrebt werden, denn Übergewicht ist eine mitauslösende Ursache der Erkrankung. Die bedarfsgerechte Ernährung soll mindestens 50% komplexe Kohlenhydrate enthalten (z.B. Gemüse, Vollkornbrot, Obst u.a.) 30% Fett, wobei auch versteckte Fette in Fleisch, Wurst, Käse, Milch mitgerechnet werden müssen. 20% Eiweiß (=Fleisch, Wurst, Fisch, Käse, Milch u.a.) Alkohol ist sehr kalorienreich.

2. Training

Mindestens 150 Minuten (= 5 x 30 Minuten) pro Woche sollte man Ausdauersport betreiben (z.B. Wandern, Laufen, Radfahren, Schwimmen)

3. Nicht-Rauchen


Behandlungsstrategien

Typ 1 Diabetes

Die einzig mögliche Therapie des insulinabhängigen Diabetes mellitus ist der Insulinersatz. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, da es die Glukoseaufnahme in die Muskel- und Fettzelle ermöglicht. Therapeutisch ist eine möglichst dem Gesunden ähnliche Insulinangabe anzustreben. Diese als Basis-Bolus-Insulintherapie bezeichnete Verabreichung wird in Schulungskursen dem Patienten erklärt, allerdings kann Insulin auch ständig mittels einer Insulinpumpe verabreicht werden. Moderne Insuline ermöglichen dem Diabetiker mittlerweile ein Leben zu führen, dass sich von nicht Diabetikern kaum unterscheidet.Welche Therapie gewählt wird, muss nach ausführlichen Information zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

Typ 2 Diabetes

Meist haben Patienten mit Diabetes mellitus Typ II oder seinen Vorstufen sehr lange keine Beschwerden.

Es muss so früh wie möglich behandelt werden!

Zunächst sollte, wenn notwendig, die Ernährung umgestellt werden, allfälliges Übergewicht reduziert werden und körperliche Bewegung (mindestens 5 x 30 Minuten pro Woche) vermehrt durchgeführt werden. Reicht diese Therapie nicht aus, müssen Tabletten eingesetzt werden.

Wenn diese Maßnahmen nicht greifen oder nicht konsequent genug angewendet werden, brauchen auch Patienten mit Typ 2 Diabetes Insulin (oft gemeinsam mit Tabletten). In der Regel wird Insulin nach Erschöpfung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse eingesetzt. Allerdings kann bei Blutzuckerentgleisungen im Rahmen von Erkrankungen, Infektionen und Operationen auch eine vorübergehende Insulintherapie notwendig sein. Denn Insulin ist das einzige Arzneimittel, das den Blutzucker immer - unabhängig von der Höhe - senken kann.

Hilfsmittel (Waage, Maßband, Fitnessgeräte, Pulsuhr)

Für die regelmäßige Bewegung kann ein Home-Trainer oder Zimmerfahrrad nützliche Dienste leisten. Fitnessgeräte können Ihnen nur helfen, wenn Sie sie regelmäßig benützen. Ihr Puls ist ein guter Indikator dafür, ob Sie sich überbelasten oder unterfordern. Machen Sie es sich zur Gewohnheit Ihr Gewicht einmal in der Woche zu überprüfen. Eine Badezimmerwaage gehört in jeden Haushalt.

Schritt für Schritt zum Therapieziel

Kontrolliert werden soll durch den Arzt mindestens 4x im Jahr (bei Bedarf häufiger):

  • Gewicht
  • Bauchumfang
  • Blutdruck
  • Blutzucker nüchtern / postmaudiel
  • HbA1c (Langzeitwert)
  • Unterzuckerungen
  • Nierenwerte
  • Microalbumin im Harn (Eiweißausscheidung)
  • Cholesterin gesamt
  • Hdl Cholesterin
  • LDL Cholesterin
  • Triglyceride
  • Fußinspektion

Mindestens 1x im Jahr

  • EKG
  • Belastungs- EKG, ev. Echokardiographie
  • Herz-Lungenröntgen
  • Augen-Kontrolle
  • Halsschlagaderdurchblutung
  • Beindurchblutung

Durch den Patienten

  • Gewicht
  • Blutzucker (je nach Vereinbarung mit seinem Arzt)
  • Blutdruck (bei Bluthochdruck)