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Cholesterin

Welche Aufgabe hat Cholesterin im Körper?

Cholesterin ist ein wichtiger Baustoff jeder menschlichen Zelle und Ausgangssubstanz für die Bildung zahlreicher Hormone. Es findet sich hauptsächlich in Lebensmitteln tierischer Herkunft wie Wurst, Fleisch, Butter, Käse etc. aber auch - was weniger bekannt ist - in Meeresfrüchten.

Jeder Mensch braucht Cholesterin. Dennoch hört man oft von einer Gefährdung durch Cholesterin. Ist das ein Widerspruch? Nein!


Prim. Univ.Prof. Dr. Drexel mit VIVIT-Team

Cholesterin ist eine Fett ähnliche Substanz. Das bedeutet, es löst sich, ähnlich wie Butter, nicht in wässrigen Flüssigkeiten auf. Blut aber ist eine wässrige Flüssigkeit. Damit Cholesterin im Blut transportiert werden kann, muss es speziell verpackt werden, und zwar zusammen mit Eiweißen (den Proteinen) in sogenannten Lipoproteinen. Je nachdem wie diese Lipoproteine nun aufgebaut sind, haben sie ganz verschiedene Funktionen.

Es gibt mehrere Arten von Cholesterin

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Lipoproteine ist ihre Dichte (englisch: density). Je dichter ein Lipoprotein ist, desto mehr Eiweiß und desto weniger Cholesterin enthält es. Für die Einschätzung des Herz- und Gefäßrisikos sind vor allem zwei Lipoproteine von Bedeutung: das LDL ("low density lipoprotein", also ein Lipoprotein geringer Dichte mit hohem Cholesteringehalt) und das HDL ("high density lipoprotein", ein sehr dichtes Lipoprotein mit niedrigerem Cholesteringehalt).

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Lipoproteine ist ihre Dichte (englisch: density). Je dichter ein Lipoprotein ist, desto mehr Eiweiß und desto weniger Cholesterin enthält es. Für die Einschätzung des Herz- und Gefäßrisikos sind vor allem zwei Lipoproteine von Bedeutung: das LDL ("low density lipoprotein", also ein Lipoprotein geringer Dichte und hohem Cholesteringehalt) und das HDL ("high density lipoprotein", ein sehr dichtes Lipoprotein mit niedrigerem Cholesteringehalt).

Das in den LDL enthaltene Cholesterin gilt als ungünstig. Es transportiert den größten Anteil des Cholesterins im Blut zu den Geweben und zur Leber, wo es mithilfe spezieller LDL-Rezeptoren aus dem Blut aufgenommen wird. Bei überhöhten Blutspiegeln kann sich LDL-Cholesterin in der Arterienwand ablagern und somit die Entstehung von Atherosklerose (Arterienverkalkung) bewirken, was letztlich zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.

Das HDL Cholesterin geht den umgekehrten Weg. Es nimmt überschüssiges Cholesterin im Blut auf und bringt es zurück zur Leber. Dort werden die Partikel abgebaut und das Cholesterin z.B. zur Synthese von Gallensäuren verwendet. Ist es ausreichend vorhanden, funktioniert somit der Abtransport von Cholesterin aus den Gefäßen.

Es ist also wünschenswert ein hohes HDL Cholesterin zu haben, ein hohes LDL Cholesterin hingegen stellt ein Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen dar. Deshalb wird das HDL Cholesterin umgangssprachlich als "gutes" Cholesterin, das LDL Cholesterin als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet.



Für die Versorgung der Organe mit Cholesterin ist ein niedriger LDL Cholesterinspiegel im Blut völlig ausreichend. Säuglinge etwa haben oft nur ein LDL Cholesterin von 40 mg/dl, und auch Menschen in ländlichen Gebieten Chinas, die sehr wenige tierische Produkte zu sich nehmen, haben häufig LDL Cholesterinwerte in diesem Bereich. Bei uns liegen die durchschnittlichen LDL Cholesterinwerte viel höher. Eine Untersuchung am VIVIT Institut in Feldkirch zeigte etwa ein durchschnittliches LDL Cholesterin von "gesunden" Erwachsenen von 150 mg/dl. Überschüsse an LDL Cholesterin können dazu führen, dass Cholesterin in den Gefäßwänden abgelagert wird. Es bilden sich Verengungen in den Blutgefäßen, deren Folge lebensbedrohliche Komplikationen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle sein können.

Nicht bei jedem Menschen ist die Ablagerung bei gleichem LDL Cholesterin gleich stark ausgeprägt. Besonders gefährdet sind Menschen, die weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen haben. Das sind im Besonderen Menschen mit Diabetes, Menschen mit Bluthochdruck und Raucher. Weiter wird die Ablagerung von Cholesterin in Gefäßwänden umso wahrscheinlicher je älter wir werden, und Männer sind generell stärker gefährdet als Frauen. Aber auch bei Frauen sind Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache.


Eine vererbbare Störung des Cholesterinstoffwechsels ist die sogenannte familiäre Hypercholesterinämie. Diese angeborene Stoffwechselstörung führt zu stark erhöhten Cholesterinwerten im Blut, auch bei relativ gesunden Ernährungsgewohnheiten.

Träger dieser Erbfaktoren sind überdurchschnittlich häufig schon in jüngeren Jahren von Herzinfarkten und anderen Gefäßkrankheiten betroffen. Von familiärer Hypercholesterinämie ist rund eine von 200 Personen betroffen, durch die Vererbbarkeit sind dies oft ganze Familien.

Weitere Informationen zur familiären Hypercholesterinämie finden Sie auch auf der Seite der FHchol Austria Informationen zu Herz-Kreislauf Themen finden Sie auf der Seite des Herzverband 


Cholesterin wird bei der Blutuntersuchung im Labor bestimmt. Dabei unterscheidet man zwischen dem Gesamtcholesterin und den Teilarten - im Besonderen das HDL und LDL Cholesterin, sowie die Triglyzeride. Sie können Ihre Cholesterinwerte z.B. bei der jährlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Arzt bestimmen lassen.

Die Blutabnahme zur Bestimmung der Blutfette sollte nüchtern erfolgen, d.h. 12 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme. Nur Flüssigkeitsaufnahme ist erlaubt. Die Blutfettwerte können in unterschiedlichen Einheiten angegeben werden: entweder in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Millimol pro Liter (mmol/l), die Aussagekraft der Werte ist aber identisch.

Welcher Wert für das LDL Cholesterin noc in Ordnung oder schon zu hoch ist, hängt entscheidend vom Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ab. Bei sehr hohem Risiko (etwa wenn bereits einen Herz-Kreislauferkrankung, ein Diabetes, oder eine Nierenschwäche vorliegt) sollte das LDL Cholesterin <70mg/dl sein


Wichtig ist, dass die Ablagerung von Cholesterin in den Gefäßwänden nicht plötzlich zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führt. Die Schädigung der Gefäßwände vor so einem Ereignis beginnt typischerweise viele Jahre oder häufig auch Jahrzehnte vorher. Das eröffnet ein großes Zeitfenster für die Möglichkeit einer wirksamen Vorsorgemedizin aber da erhöhtes Cholesterin so lange keine merkbaren Beschwerden verursach, wird leider viel zu oft nicht rechtzeitig gegengesteuert.

Die Grundvoraussetzung für eine effiziente Herz-Kreislaufvorsorge durch Senkung von erhöhten Cholesterinwerten ist somit die Kenntnis seiner Cholesterinwerte. Einen hohen Cholesterinspiegel sieht man einem Menschen nicht an. Um die Cholesterinwerte zu erfahren, muss man sich Blut abnehmen lassen. Weil durch eine frühzeitige Kontrolle des LDL Cholesterins das zukünftige Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko drastisch reduziert werden kann, ist es sehr wichtig, dass man von dieser Möglichkeit auch wirklich Gebrauch macht. Jeder sollte sich vom Hausarzt die Cholesterinwerte bestimmen lassen.Sind die Cholesterinwerte zu hoch, wird der Hausarzt die passende Therapie vorschlagen. Das können entweder Lebensstilmaßnahmen alleine oder Lebensstilmaßnahmen zusammen mit Medikamenten sein.

Wird das LDL Cholesterin gesenkt, kann effizient das bei sonst Gesunden verhindert werden. Bei Erhöhungen des LDL Cholesterins wird in der Regel mit Lebensstilmaßnahmen (gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung) eine Verbesserung erzielt. Ist das LDL Cholesterin sehr hoch oder liegen bereits Gefäßschäden, ein Diabetes, oder Nierenschwäche vor, ist in der Regel der Einsatz von Medikamenten sinnvoll.


Die moderne Therapie bei erhöhtem Cholesterin fußt auf drei Säulen: Bewegung, Ernährung und Medikamenten.

Regelmäßige Bewegung verbessert das Profil der Blutfette auch dadurch, dass das schützende HDL- Cholesterin im Blut ansteigt. Bei vielen Menschen kann es allein durch Ausdauersport zu einer Steigerung des "guten Cholesterins" (HDL-Cholesterin) und Senkung des "schlechten Cholesterins" (LDL-Cholesterin) und der Triglyzeride kommen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 30 Minuten Bewegung pro Tag an mindestens 5 Tagen pro Woche. Auch ein maßvolles Krafttraining hat einen positiven Einfluss, da ein Mehr an Muskelmasse auch mehr Energie (die im Cholesterin steckt) verbrennt.

Mit gesunder Ernährung lässt sich ebenfalls sehr viel erreichen. Prinzipiell gilt eine abwechslungsreiche und bunte Speisenauswahl als besonders günstig. Manche Lebensmittel sollten Sie jedenfalls häufiger zu sich nehmen, andere seltener. Lebensmittel, die sie eher meiden sollten sind: Fleisch und Wurstwaren, Meeresfrüchte, Milchprodukte mit hohem Fettanteil und starkgesüßte Speisen und Getränke. Zuschlagen sollten Sie dafür bei Gemüse, Vollkornprodukten und anderen ballaststoffreichen Lebensmitteln. Wenn Sie Fleisch wollen sollte es möglichst mager sein und am besten Huhn ohne Haut. Bei Käsen wählen Sie eher die Variante mit dem geringeren Fettanteil. Bei Obst empfiehlt es sich nicht zu den süßesten Früchten zu greifen, da diese wieder sehr viel Zucker enthalten.

Um erhöhte Gesamt- und vor allem LDL-Cholesterinspiegel zu senken, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Diese wirken im Körper auf unterschiedliche Weise.

Statine vermindern die körpereigene Produktion von Cholesterin und hemmen dazu ein Enzym, das eine zentrale Funktion in der Cholesterin-Synthese in der Leber hat. So wird weniger Cholesterin produziert, wodurch die LDL-Cholesterinwerte im Blut sinken. Gleichzeitig beeinflussen Statine auch die anderen Blutfettwerte positiv, d.h. sie senken die Triglyzeridwerte und steigern das HDL-Cholesterin.

Cholesterinresorptionshemmer hemmen die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Dadurch sinkt ebenfalls der Spiegel von LDL- Cholesterin im Blut. Ähnlich wie bei den Statinen werden dabei auch die anderen Blutfettwerte positiv beeinflusst, z.B. sinken die Triglyzeridwerte.

Die duale Cholesterinhemmung kombiniert die Wirkprinzipien von Statinen und Cholesterinresorptionshemmern, wirkt also sowohl in der Leber, als auch im Darm.

Anionenaustauscher sind Harze, die die Gallensäuren direkt im Darm binden, sodass diese einfach ausgeschieden werden. Anionenaustauscher wirken dadurch vor allem auf das LDL- Cholesterin.

Fibrate sind eine Substanzgruppe, die eine gute Wirkung auf die Triglyzeride im Blut besitzt. Sie wird deshalb oft bei erhöhten Triglyzeriden verwendet

PCSK9-Inhibitoren als neue Therapieoption für Hochrisikopatienten

Die medizinische Forschung hat rezent PCSK9-Hemmer als neue Option der Lipidtherapie entwickelt. Das sogenannte PCSK9 (Proprotein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9) ist ein körpereigenes Enzym, das den Abbau von LDL-Rezeptoren auf der Leberoberfläche fördert. Diese Rezeptoren nehmen aber LDL-Cholesterin aus dem Blut auf. Durch die Hemmung von PCSK9 stehen mehr LDL-Rezeptoren zur Verfügung, die LDL-Cholesterin binden und senken somit das LDL-Cholesterin im Blut. Dieser neue therapeutische Ansatz soll vor allem Personen aus den Hochrisikogruppen die trotz Standardmedikation ihre LDL-Zielwerte nicht erreichen, eine neue Möglichkeit bieten, ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.

Ihr Hausarzt ist der erste Ansprechpartner, wenn Sie sich über Ihren Cholesterinspiegel informieren wollen. Kardiologen und Stoffwechselexperten sind spezialisierte Internisten die sich mit dem Thema Cholesterin besonders intensiv befassen.